Mein Rad-Setup (nur für Freaks)

Ein tiefgehender Einblick in mein modifiziertes Cube Travel Rad-Setup, optimiert für lange Radreisen und den Alltag.

Früher hatte ich mal wie jeder gute Reiseradler ein richtiges Reiserad und ein nicht so tolles Stadtrad, auch oft Stadtschlampe genannt. Diese Kombi habe ich irgendwann abgeschafft, weil ich gemerkt habe, daß das Stadtrad sehr häufig im Einsatz ist, bei Wind und Wetter stark verschleißt, aber ich auch darauf angewiesen bin, daß es stabil funktioniert. Irgendwann habe ich mir dann so um 2018 herum eine Art Reiserad für Arme gekauft. Es ist ein Trekkingrad von Cube, eigentlich ziemlich billig, aber ein Geheimtipp unter Reiseradlern: Das Cube Travel. Der Witz ist, es ist eines der wenigen Räder für 29er Bereifung, die nicht auf Mountainbike hören. Es hat eine Trekking-Geometrie und keine Federgabel. Mittlerweile habe ich es stark modifiziert und einige Upgrades vorgenommen, damit es als Reiserad taugt. Gleichzeitig muss es als Stadtrad im Alltag möglichst gewöhnlich aussehen und trotzdem gut funktionieren. Dazu darf es keinesfalls irgendwelche ganz tollen Eigenschaften haben, sondern muss dem Laien erscheinen wie ein Allerweltsrad. Pinion, Rohloff oder SON sind tabu.

Rad-Setup für die Japanreise

Jetzt zu den Details. Das erste Upgrade war, den Lenker zu tauschen. Meistens kommen Räder von der Stange mit geradem Lenker, der zu wenige Griffpositionen bietet. Rennlenker halte ich für noch unsinniger beim Reisen. Wie oft greift man auf Reisen in der tiefen Position? Daher habe ich einen sogenannten Bullhornlenker installiert, keine Rentner-Bretzel, wie man sie oft sieht, sondern eins, wo es erst gerade geht und dann der gesamte Lenker sich weit nach vorne biegt. So hat man eine schön gestreckte Position für windschlüpfriges Fahren und kann trotzdem ganz klassische Mountainbike-Bremsgriffe montieren. Das nächste Upgrade war der Antrieb. Nachdem der erste durch war, habe ich auf 11-fach umgerüstet und XT-Schaltbremskombination eingebaut. Für ein genaues und zuverlässiges Schalten kommt es auf den Trigger an, weniger auf das Schaltwerk! Das dritte Kettenblatt vorne habe ich dran gelassen, weil ich dadurch hinten die Ritzelgröße reduzieren kann. Engere Abstufungen auf Langstrecke sind eine feine Sache. Das kleine Ritzel vorn habe ich noch als Rettungsring, der mit Gepäck auch oft gebraucht wird. Es ist also theoretisch eine 33-fach Schaltung.

Das vielleicht größte Upgrade war dann vor ein paar Jahren ein neuer Laufradsatz. Der originale war billige Technik und vor allem mit einer geringen Innenweite der Felge von 19 mm grenzwertig schmal für Reifen mit über zwei Zoll und eher geringen Luftdrücken. Das, was ich wollte, war aber nicht auf dem Markt erhältlich. Wichtig war mir eine Innenweite von mindestens 23 mm, so daß ein stabiles Fahren bei geringem Luftdruck möglich ist. Ich wollte wieder einen Nabendynamo und hochwertige Naben, die aktuell mit Schnellspanner funktionieren, aber auf Steckachse umrüstbar sind. Das war eine große Herausforderung. Fündig wurde ich bei DT Swiss für’s Hinterrad und Shutter Precision für den Nabendynamo. Das habe ich mir also gekauft und an ein paar Winterabenden eingespeicht. Alle Aufkleber mussten ab, um es so gewöhnlich wie möglich aussehen zu lassen. Klickies auf Reisen finde ich unpraktisch, da man dann immer diese Schuhe mit den Cleats hat, die bei kleinen Spaziergängen stören. Außerdem ist ein kleines Rahmenschloss dran. Das ist ein kleines am Rahmen befestigtes Bügelschloss, was zumindest vor dem Bäcker zuverlässig das Wegfahren verhindert. Seit ein paar Jahren fahre ich nicht nur beim Mountainbike, sondern auch beim Reiserad tubeless. So auch hier und bin damit sehr zufrieden. Tubeless funktioniert prima bei breiten Reifen, zumindest so etwa oberhalb von 40 mm. Hässlich wird’s, wenn es nicht funktioniert und man sogar einen Reifen wechseln muss, denn das ist eine riesen Sauerei. Die Reifen müssen das natürlich auch können. Zum Glück gibt es einen Reifen mit sehr niedrigem Rollwiderstand für Tubeless: Schwalbe Almotion. Als letzte Neuerung habe ich Schwalbes neue Klickventile eingebaut, die sehr praktisch sind und nicht dieses Wackelige der französischen Ventile haben. Man braucht aber einen Pumpenadapter. Davon habe ich mir einfach zwei gekauft und sie mitgenommen. Ja, das ist mein Fahrrad-Setup. Ach ja, und ich fahre halt mit normalen Packtaschen, so wie viele Radreisende das schon seit Jahrzehnten tun. Den Ansatz der modernen Backpacker (neudeutsch) halte ich für Quatsch. Im Kern ist Radreisen ja, das Land und die Landschaft zu sehen. Wozu dort durchrasen? Zumal ich ja alles klassische Zubehör habe und das superleichte wenig haltbar ist und dazu noch teuer. Nichts für mich. Aber ein Top-Job der Werbeindustrie.

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