Stadtbild
Ganz offensichtlich gibt es sehr unterschiedliche Meinungen dazu. In Europa hat praktisch jede Stadt ein klar erkennbares Zentrum. Da ist ein Platz, ein Park, repräsentative Bauten und ähnliches. Nicht so in Japan. Für ein in europäischen Konventionen trainiertes Auge erscheinen japanische Städte chaotisch, unübersichtlich, zentrumslos, mit kaum Grün. Stadt hat hier eine andere Bedeutung. Sie wird hier eher verstanden als eine Ansammlung von Nützlichem, verbunden durch Verkehrswege. Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist unwichtig. Kurze Wege und leichte Erreichbarkeit haben Priorität. Eine Zonierung wie in westlich geprägter Stadtplanung gilt nicht als erstrebenswert. Alles darf fast überall. Eine Tankstelle neben einem Tempel? Kein Problem. Ein Hochhaus neben einem kleinen Bauernhaus? Klar, wenn es kein Licht stiehlt.
Nach dieser Logik ist das Zentrum oft am Bahnhof. Transport und kurze Wege eben. Auch sieht man selten öffentliche Parks oder Grünflächen. Die allgegenwärtigen Tempel mit ihren Gärten erfüllen diese Aufgabe und werden auch so genutzt.
In einem Land, das regelmäßig von Erdbeben und Taifunen heimgesucht wird, ist Gebäuden oft keine sehr hohe Lebensdauer vergönnt. Das mag sich mit modernen Betonbauten geändert haben, aber Erhalt, bis auf Tempel und Burgen, hat keinen hohen Stellenwert.