Fahrradkultur
Ein Einblick in die Fahrradkultur in Japan: Von Alltagsrädern (Mamachari) bis hin zur Radinfrastruktur im Vergleich zu Deutschland.
Japan hat eigentlich, ähnlich wie China, eine ganz starke Fahrradtradition. Auf alten Fotos sieht man die Orte voller Räder. Die ist mit dem Aufkommen von Autos aber ziemlich verloren gegangen. Heute sind etwa 80 % aller Fahrräder Stadtkutschen. Mamachari werden die genannt, wörtlich “Mama-Fahrrad”. Es sind Räder meist mit tiefem Durchstieg, oft mit Korb und Kindersitz. Typisch das, was man in der Stadt benutzt und auch von uns kennt.
Man sieht am Wochenende ganz vereinzelt Rennradfahrer oder Mountainbiker, aber das ist wirklich eine Seltenheit. Die Radwege-Infrastruktur ist ähnlich wie bei uns ziemlich zweitrangig. Die Städte sind super autofreundlich und Radwege bestehen allermeistens darin, daß Fußwege als vom Rad zu nutzen markiert wurden. Gut ist, daß die großen Landstraßen meistens einen begleitenden asphaltierten Streifen haben, auf dem man fahren kann, wenn zu viel Autoverkehr ist.
daß es hier kaum Radwege gibt und die Städte autofreundlich sind, ist kein Wunder. Ähnlich wie Deutschland hat Japan eine sehr große Autoindustrie und Autos haben einen gigantischen Stellenwert. Hinzu kommt, daß aktuell ein Liter Sprit nicht mal 1 € kostet. Das heißt, es gibt wenig Motivation, nicht Auto zu fahren. Es ist sogar so, daß auch zumindest in den Städten, die ich bisher gesehen habe, nirgends auch nur ein Quäntchen Abstriche gemacht wird von zwei- oder dreispurigen Magistralen quer durch die Stadt. Während in Deutschland schon hier und da große Radwege ausgezeichnet werden und den Autos eine Spur genommen wird, passiert das hier so gut wie gar nicht. Im Gegenteil, seit April werden sogar die bisher eher wenig geahndeten Vergehen von Radfahrern wohl strenger verfolgt. Zumindest steht das so auf dem Papier. Ob das durchgesetzt wird, bleibt abzuwarten.
Positiv fällt das rücksichtsvolle Reagieren der Autofahrer auf Radelnde auf. Auf Landstraßen fahren sie ohne Murren schon mal eine Minute hinter einem, wenn sicheres Überholen nicht möglich ist.