Reise-IT
Als ich als Student größere Radreisen unternahm, war die einzige Elektronik an Bord ein Kilometerzähler. Der zeigte halt Kilometer an, merkte sich die Summe und wusste auch die Uhrzeit, wenn nicht inzwischen die Batterie mal leer war.
Jetzt hat jeder einen für damalige Verhältnisse Hochleistungscomputer in der Hosentasche. Dafür ist der nicht selten dicke Reiseführer zu Bits im eBook Reader geschmolzen.
Da das Handy heutzutage – zumindest für mich – zum elektronischen Zweithirn aufgestiegen ist, käme ein Verlust einer Teilamnäsie gleich. Daher wollte ich für die Routenführung ein Gerät, das dafür gemacht ist und dessen Verlust man wegstecken könnte. Das ist der Radcomputer Garmin Edge Explorer 2. Damit darf das Handy nun unterwegs sicher verpackt ruhen oder sich auf Fotografieren konzentrieren.
Der Radcomputer war nicht billig. Umso mehr erstaunt es, wie zäh die Bedienung ist und wie wenig man einstellen kann. Auch findet Garmin unentwegt, daß ich Wettbewerbe gewinnen will. “Neuer Rekord: Du hast einen neuen Bestwert erreicht.” “Interessiert mich nicht”, möchte ich ihm zurufen. Das ist ihm egal. Er hat Sportschulen-Gene. Dem Randonneur nur die Landkarte zeigen ist nicht so seins.
Die Routenplanung ist aufwändig und wäre am Handy sehr unhandlich. Deshalb reist auch ein kleines Laptop mit. Es ist ein Lenovo ThinkPad X1 Carbon. Die sind neu super teuer, gebraucht aber günstig zu bekommen. Es ist ein handliches, sehr leichtes Business-Gerät. Perfekt fürs Reisen und läuft tadellos und schnell mit Linux. Ich habe mich mal an cachyOS gewagt. Das beflügelt das betagte Rechnerchen enorm. Perfekt.
Ein E-Book Reader ist auch dabei für Lesestoff und Reiseführer in digitaler Form. Allerdings ist das Springen zwischen Seiten, wie man es im Reiseführer oft braucht, nicht seine Stärke. Lineare Belletristik mag er mehr.
Außerdem ist noch eine SmartWatch mit unterwegs. Die hatte ich mir eigentlich dafür angeschafft, beim Radfahren die Karte vom Navi auf dem Handy nachzuschauen. Das stellte sich aber als Illusion heraus. Das Mäusekino am Handgelenk während der Fahrt zu studieren ruft nach Sturz.
Als Pulsuhr ist die auch nur ein Schätzomat. Lässt man die die Route tracken, geht ihr nach wenigen Stunden der Saft aus. Sie ist de facto zum Vibrationswecker degradiert. Fehlanschaffung.
Zur Energieversorgung habe ich mir ein Netzteil angeschafft, das auch 20V über USB-C für den Laptop kann und verschiedene Netzstecker hat. In Japan liegen 100V an den wackeligen Buchsen an, die auch in den USA Standard sind. Insgesamt sind das gut 1,5kg Elektronik. Doch die nutze ich täglich intensiv. Fotografieren, übersetzen, schreiben, planen, Wartung der Hein-IT und Unterhaltung. Dafür lohnt es sich mitzuschleppen.