Die Kunst der Reinlichkeit
Eines der sicherlich auffälligsten Merkmale in Japan ist die allgemeine Sauberkeit. Nirgends liegt Unrat oder Abfall. Selbst die öffentlichen Toiletten sind perfekt sauber. Dabei gibt es nahezu keine öffentlichen Abfalleimer. Überhaupt die Toiletten: Hightech an der Brille. Nahezu alle Klos bieten alle möglichen Annehmlichkeiten, wie geheizte Klobrille und Dusche für hinten.
Man sieht Menschen am frühen Morgen die Straße fegen – und nicht nur direkt vor der eigenen Haustür.
Wie kommt das? Japan hat eine tiefe Kultur der Reinlichkeit aus ihrer Tradition und Kultur heraus. Saubermachen ist eine Art Katharsis der buddhistischen Religion. Außerdem ist tief verankert, daß ein ordentliches Haus und ein ordentlicher Garten und ein ordentlicher Weg der Gemeinschaft zeigen, daß man sein Leben im Griff hat. Diese Praxis im Alltag führt dazu, daß alles, aber wirklich ausnahmslos alles, reinlich ist. Es gibt kein ungeputztes Auto und im letzten Dorf ist jede Straße sauber. Natürlich gibt es hier und da im Wald mal einen weggeworfenen To-go-Becher. Aber wo gibt es das nicht? Insgesamt ist das wohl die beeindruckendste Eigenschaft für mich in Japan.
Die Menschen achten von selbst darauf, daß alles sauber ist. Es ist zu Kultur geworden. Schuhe sind geputzt. Schuluniformen sehen wie neu aus. Toiletten, wie gesagt, sind perfekt. Der Filmtipp, den ich vor längerer Zeit geschrieben hatte, beschreibt diese Kultur auch sehr gut.
Man kann behaupten, es sei kultureller oder gesellschaftlicher Druck. Aber jede gesellschaftliche Konvention kann man als Druck formulieren. Auch nicht nackt auf die Straße zu gehen, ist gesellschaftlicher Druck. Nur hier wird es in einer Weise gelebt, die mich schwer beeindruckt.