Lost in translation

Erste Eindrücke von Japan: Über Sprachbarrieren, die Sauberkeit im Land, japanische Höflichkeit und die rettende Hilfe durch moderne Technik.

Ein erster Eindruck

Japanischer Bezahlautomat im Restaurant

Der stärkste und unmittelbarste Eindruck ist sicherlich, daß man rein gar nichts lesen kann. Ich habe zwar mit Duolingo etwas gelernt, aber die Schriftzeichen zu verstehen ist mir zumindest unmöglich. Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die enorme Reinlichkeit. Alles ist blitzeblank. Nirgends liegt irgendetwas herum. Alles wird gefegt. Alles wird gewienert. Alles wird geputzt. Das ist extrem beeindruckend. Selbst im kleinsten Dorf sind die öffentlichen Toiletten picobello. Weiterhin fällt auf, daß die Menschen sehr zurückhaltend und höflich sind. Man versucht stets, dem anderen Platz zu machen oder Vortritt zu lassen. Diese Art von Höflichkeit wirkt manchmal grotesk, wenn sich zwei Kollegen begrüßen und sich gegenseitig unentwegt verbeugen. Aber so ist das hier. Es macht jeder und jede. Aufpassen muss man, daß man da nicht komisch ist z. B. wenn ein Ladenbesitzer sich verbeugt, reicht ein Nicken. Als Kunde verbeugen wäre wunderlich. Die Sprachbarriere ist natürlich insbesondere auf dem Land enorm. Es gibt nichts, was nur so ähnlich ist wie Japanisch. Sie haben zwar eine Menge Lehnwörter aus dem Englischen, aber es gibt keinerlei Verwandtschaft mit Französisch, Englisch oder Spanisch, womit ich mich zumindest radebrechend durchschlagen könnte. Eine Riesenhilfe ist daher das Smartphone, was live übersetzen kann. Ich habe auch jede Hemmung verloren und stehe im Geschäft vor den Regalen oder im Restaurant vor der Karte und filme quasi die Schrift ab, um sie mir live übersetzen zu lassen. Das funktioniert zwar ziemlich gut, aber wenn dann dort Tonkotsu Ramen steht, hat man auch nicht viel gewonnen. Am Ende ist das Ganze ein Abenteuer und eine gewisse Unschärfe muss man zulassen. 

Zum Schluss noch ein Haiku, was vielleicht den ersten Eindruck ein bisschen zusammenfasst.

Fremde Zeichenwelt, Neonlicht küsste den alten Schrein, Staunend zieh’ ich durch.

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