Warum Japan

fragen viele. Ich mich auch. Mein erstes Sabbatical führte mich meist per Zug durch Osteuropa. Nun sollte es etwas weitergehen. Schon lange hatte ich Lust darauf, wie als Student lange Radtouren zu unternehmen. Es ist eine schöne Methode, eine Gegend kennenzulernen: Nah dran sein und doch gleichzeitig erhebliche Strecken zurücklegen zu können. Außerdem ist es gesund und mir macht es Spaß. Warum nicht mal wo ganz anders rumkurven? Japan fasziniert mich schon lange, weil es mir so fremd ist. Es baut auf einer uralten Kultur auf mit völlig anderen Regeln und Wertevorstellungen. Vor allem interessiert mich, daß dabei das Wir wohl eine deutlich größere Rolle spielt als bei uns.

Dabei bekam auch Japans Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg Geburtshilfe durch die Amerikaner. Davor machte sich das Kaiserreich als brutale Besatzer in Ostasien wenig Freunde. Ähnliche Probleme hat es mit Bevölkerungsschwund und massiver Überalterung und übrigens auch mit Fremdenfeindlichkeit. Das klingt vertraut. Vor 30 oder 40 Jahren war “Made in Japan” gefürchtete Billigkonkurrenz, so wie heute China, vor denen alle Angst hatten und die aber doch eine ganz normale hochzivilisierte Gesellschaft geworden sind mit einem HDI (Index menschlicher Entwicklung) in den Top Ten. Das alles interessiert mich. Hinzu kommt eine faszinierende Landschaft, eine gelebte unglaubliche Kultur, Höflichkeit und Gastfreundlichkeit, die sprichwörtlich sind, und nicht zuletzt heiße Quellen und super Essen. Was will man mehr? Auf geht’s.

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